opus groove

 

opus:Groove

„Alles schon mal gehört!“ Wer das denkt, ob Format-Radio-geschädigt, vom jeweils neuesten alten Hut enttäuscht oder von den auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunter dividierten Klassik-Programmen gelangweilt, bei dem darf es jetzt „klak“ machen. [:klak:], so nennt sich nämlich das Duo, bestehend aus dem Akkordeonisten Stefan Kollmann und dem Klarinettisten Markus Fellner. Wer nun bei der eher raren Kombination Akkordeon und Klarinette reflexartig an altehrwürdige Musette-Walzer oder das gängige Tango- oder Klezmer-Repertoire denkt, der wird beim Debüt-Album „opus: Groove“ ganz schön ins Staunen geraten.
Es ist nicht so, dass Tango- oder Musetteklänge hier nicht vorkämen, aber Kollmann und Fellner geben dem Gewohntem einen neuen Dreh, verleihen jedem Stück einen eigenen Charakter und erweitern den stilistischen Spielraum ihrer Instrumente enorm. Das beginnt bereits beim frechen „Ausleihen“ der Titelmelodie von „Sex and the City“ (das sich dann allerdings schnell zu neuen, eigenen Klanggebirgen auftürmt), macht aus dem selbst komponierten „Tango Bizarro“ einen klangmächtigen Tango Nuevo und landet gar beim heimatlichen Kärntnerlied „Gernhobn tuat guat“, das nach einem berührend versonnenen Vorspiel zur jazzigen, luftig leichten Ode an Liebe und Leben avanciert.

Beim „Musette Waltz“ des einzigartigen Kärntner Jazz-Akkordeonisten Klaus Paier, bei dem sich auch der (noch immer) junge Kollmann schon austoben durfte, ist der Clou, dass die Klarinette überraschend und energisch die Führung übernimmt. Beim eigenen „From 6 to 8“ hingegen ist wie bei einigen anderen Stücken das rhythmische Fundament der Melodie spektakulär. Adaptionen und eigene Kompositionen halten einander die Waage, weder beim einen noch beim anderen tun Kollmann und Fellner der Musik je Gewalt an. Hier wird nicht zwanghaft „verjazzt“, kein Stil schematisch mit einem anderen verpresst, hier ergibt sich alles ganz natürlich. Oft vertrauen Kollmann und Fellner auf die einfachen Dinge. Ein simples Schnipsen verpasst dem „One Blues“ unheimlichen Groove, wohldosierte Perkussion-Einlagen von Fellner geben der getragenen Melodie von „Where is The Key?“ eine völlig neue Wirkung.

Am eindrucksvollsten entfaltet sich die Methode [:klak:] vielleicht bei dem traumhaften Stück „5/4“ des Wiener Bassisten Georg Breinschmied: Wie es da von einer himmlischen Melodielinie der Klarinette und dem Bach’schen Kontrapunkt des Akkordeons in einen aufbegehrenden Tango und wieder zurück geht, das ist der pure musikalische Gedanke. Da gibt es keine Instrumente mehr, alles wird Atem und Klang. Verblüffend genug, dass der 28-jährige Stefan Kollmann und der erst 23-jährige Markus Fellner einander erst vor kurzem kennengelernt haben, obwohl die beiden praktisch in derselben Sandkiste am Kärntner Landeskonservatorium gespielt haben. Hört man die schillernden Geschichten, die „opus: Groove“ erzählt, kann man nur sagen: Zum Glück hat es auch bei ihnen rechtzeitig [:klak:] gemacht.
Oliver Hochkeppel

 

„Schon alleine die eher seltene Kombination aus Akkordeon, Klarinette, Percussion und Gesang lässt das von der jungen Formation [:klak:] Dargebotene etwas aus dem Rahmen des Gewöhnlichen fallen. Aber es liegt nicht nur alleine an der Instrumentierung ihres Duos, die die Musik der beiden Kärntner Stefan Kollmann und Markus Fellner zu etwas Besonderem macht. Das Schöne an den Stücken ihres nun erscheinenden Debüts „opus: Groove“ ist, dass alles, scheinbar wie von Geisterhand gelenkt, perfekt ineinandergreift, die feinen und spannungsgeladenen, zwischen zarter Melancholie und purer Lebensfreude hin und her pendelnden Melodien, die vielen unterschiedlichen Stile, die musikalische Raffinesse der beiden Protagonisten, sowie deren Fähigkeit, ihre Musik mit einer fast schon betörend wirkenden leichtfüßigen Eleganz und viel Gefühl darzubringen.

Es scheint sich auf dem Erstlingswerk alles, vom ersten bis zum letzten Ton, ohne große Brüche im Fluss zu befinden, wiewohl man auch dazusagen muss, dass Stefan Kollmann und Markus Fellner spieltechnisch ein sehr, sehr hohes Niveau an den Tag legen. Nur stellen sie ihre außergewöhnlichen Begabungen ganz in den Dienst ihrer Musik und verzichten auf das zur Schau stellen ihrer unbestreitbaren Fertigkeiten. Die beiden nehmen ihre Hörerschaft auf eine ungemein stimmungsvolle und auch abwechslungsreiche Klangreise mit. Mal machen sie Station im Tango Nuevo, mal in der Musette, um sich gleich darauf dem Klezmer zu widmen. Dazwischen wird auch schon mal ein wenig dem Jazz und anderen Musikformen gehuldigt.
 
Aber wie gesagt, das Zweiergespann, das im Juli dieses Jahres bei den “World of Accordion Awards” in Castelfidardo mit dem “Jazz/World Music Award” ausgezeichnet worden ist, tut das sehr bedacht ohne jeden Anflug irgendwelcher pathetischer Gesten.

Die jungen Kärntner besinnen sich bewusst auf das Wesentliche und verleihen ihrer Musik dieser Art etwas unmittelbar Eindringliches, etwas, das musikalisch weit unter die Oberfläche bricht und in höchstem Maße zu berühren weiß. Lauscht man ihren Nummern, fühlt man sich aufgrund ihres Charmes aufgefordert, sich wirklich näher mit ihnen zu befassen, sie einfach wirken zu lassen, um sie auch in ihrer wunderbaren Ganzheit fassen zu können. 

Mit „opus: Groove“ legen [:klak:] auf jeden Fall weit mehr als nur eine Talentprobe dar. Das Erstlingswerk von Stefan Kollmann und Markus Fellner offenbart sich als ein Stück Musik, das von Mal zu Mal wächst und auch nachhaltig wirkt. Bleibt nur noch zu hoffen, dass man von diesem Duo auch noch in Zukunft so einiges zu hören bekommen wird, was aber, bei den Qualitäten die es mitbringt, eigentlich außer Frage steht.

Michael Ternai, mica